Mit über einer Milliarde User weltweit ist Instagram heute die Social-Media Plattform Nummer eins. Verständlich, dass die Relevanz von Instagram im Marketing zunehmend ansteigt und Brands als auch Privatpersonen das bestmögliche für ihr Erscheinungsbild auf Instagram tun möchten. Neben zahlreichen Berichten über die neusten Updates oder Funktionen, tauchen jedoch immer wieder Statements auf, bei denen schwer zu erkennen ist, ob es sich um die Wahrheit oder um das neuste Gerücht handelt.

Instagram-Algorithmus

Im August 2016 integrierte Instagram einen Algorithmus, welcher auch heute noch, zweieinhalb Jahre später ein heiß diskutiertes Thema für User und Unternehmen ist. Aktuell gibt es unzählige Beiträge, die durch das Netz schwirren, welche besagen, der Algorithmus würde die Sichtbarkeit von Content beeinträchtigen.

Kurz nach der Einführung des Algorithmus wurde von Tag zu Tag das negative Feedback  der Influencer immer lauter. Grund dafür waren Ängste um eine eingeschränkte Sichtbarkeit ihrer eigenen Beiträge. Mit dem neuen Algorithmus wurden diese nicht mehr chronologisch, sondern interessenorientiert ausgespielt. Folgend stürzten schlagartig Reichweiten und Engagements ein und es entstanden seitens der Influencer gar Existenzängste, da sie ihre Attraktivität gegenüber möglichen Kooperationspartnern durch den Rückgang relevanter KPIs in Gefahr sahen.

Die Reaktionen der Influencer reichten so weit, dass sogar Behauptungen aufgestellt wurden, sie würden Instagram verlassen falls der alte Algorithmus nicht wieder eingeführt wird. Die Unzufriedenheit der User hat die Social Media App Vero auf eine raffinierte Art zu seinen Gunsten verwendet. Zum perfekten Zeitpunkt wurde Vero ins Leben gerufen und konnte für eine kurze Zeit die unzufriedene Instagram-User abgreifen.

Zwar sind die Parameter, die den Algorithmus bestimmen nicht öffentlich, doch Instagram hat offiziell Stellung zu all den Behauptungen genommen. Aktuell ist es so, dass alle Beiträge angezeigt werden, die Reihenfolge allerdings für jeden Nutzer individuell angepasst wird. Dabei bezieht sich der Algorithmus auf das Nutzungsverhalten des Users. Dazu zählen Faktoren wie die Häufigkeit der Verwendung, die Nutzungsdauer sowie die Anzahl der Profile, denen gefolgt wird.

Die genaue Sortierung des Feeds, welche Posts dem User ganz oben im Feed angezeigt werden und zu welchen Posts erst einmal weit gescrollt werden muss, wird durch die Interessen des Users bestimmt.
Das Engagement sowie die Aktualität eines Beitrages und die Zeit, die ein Nutzer auf bestimmten Profilen verbringt, sind Aspekte, welche die Sortierung des Feeds beeinflussen. Nicht ganz unrelevant sind natürlich auch die Beziehungen zu anderen Usern. Wird mit bestimmten Personen häufig durch Kommentare, Direktnachrichten oder Vertaggung interagiert, werden diese durch den Instagram-Algorithmus priorisiert.

Resultierend entstanden zahlreiche Influencer-Gruppen, welche sich zu sogenannten Pods entwickelten. Das Prinzip von Instagram Pods ist ziemlich simpel. Instagrammer, die sich mit den gleichen Themen-Bereichen wie beispielsweise Fashion oder Food beschäftigen, bilden Gruppenchats. In den Gruppen wird Bescheid gegeben,  sobald einer der teilnehmenden Instagrammer ein Bild gepostet hat. Und dann geht es auch schon los: Die Gruppenmitglieder fangen sofort an zu interagieren, sodass das Engagement der Postings gepusht wird. Gerade die ersten fünf Minuten nach Veröffentlichung eines Beitrages beeinflussen die gesamte Performance und somit auch die Sichtbarkeit, heißt es. Ziel eines Instagram Pods ist es also in einer möglichst kurzen Zeit das Engagement so hoch wie möglich zu pushen.

Betrachtet man den Algorithmus jedoch aus einem neutralen Blickwinkel, bietet dieser Usern, Unternehmen als auch Vollzeit-Influencern einen großen Mehrwert. Instagram verbirgt keine Beiträge sondern priorisiert sie für jeden Nutzer individuell, sodass die interessantesten Beiträge präsent im Feed ausgespielt werden. Influencer erreichen auf diesem Wege nicht nur präzise ihre Zielgruppe sondern vor allem die Follower, die großes Interesse (durch interagieren) am Influencer und seinen Beiträgen zeigen. Mit der Einführung des Algorithmus hatte Instagram keines Falls die Absicht, Usern auf Instagram zu schaden sondern vielmehr Instagram als Plattform interessens-orientierter zu gestalten und gleichzeitig die Attraktivität des Netzwerkes zu steigern.

Shadow Banning

Abgesehen von dem Instagram-Algorithmus beschweren sich Influencer seit einiger Zeit über plötzlich einstürzende Reichweiten und Engagements. Dafür wird momentan das sogenannte „Shadow Banning“ verantwortlich gemacht. Dieser soll dafür sorgen, dass Inhalte von Nutzern über die Hashtag-Suche in den Schatten gestellt werden und somit nur noch eingeschränkt sichtbar sind. Gerüchten zu Folge, soll ein Shadow Ban auf einem Account liegen, wenn beispielsweise gesperrte Hashtags oder Automatisierungs-App verwendet werden. Weitere Gründe für einen Shadow Ban sollen gekaufte Follower, ein Hack oder auch eine zu häufige Meldung des Accounts sowie eine zu hohe Interaktion sein. User sollen also aufgrund ihres Nutzungsverhaltens, durch zu hohes Interagieren zum Opfer eines Shadow Bans oder gar von einer Sperrung durch Instagram werden.

Laut Instagram existieren jedoch keine Shadow Bans auf ihrer Plattform. Sie haben nun offiziell bestätigt, dass sie derzeit Probleme bei der Hashtag-Suche haben, es sich dabei jedoch nicht um einen absichtlichen Shadow Ban handelt sondern um einen einfachen technischen Fehler, einem Bug.

Standard- vs. Business-Account

Auch die Arten der Accounts, ob Standard- oder Business-Account sollen die Sichtbarkeit und demzufolge die Reichweiten der User beeinflussen. Während ein Standard-Account eine kleine Reichweite generiert, werden Behauptungen aufgestellt, Business-Accounts würden eine deutlich größere Reichweite aufweisen. Dies würde folgend jedoch bedeuten, dass kaum ein User das Standard-Profil nutzen würde, da es im Interesse eines fast jeden Users liegt, eine möglichst große Reichweite zu generieren. Der einzige Grund den Standard-Account beizubehalten wäre dann die Möglichkeit des „Privat Profils“. Standard-Accounts können auf privat gestellt werden, sodass nur die Follower, die der User bestätigt hat, veröffentlichte Bilder sehen können. Bei einem Business-Account ist dies hingegen nicht möglich.
Der bedeutende Unterschied der Accounts sind die erweiterten Analysemöglichkeiten. Ein Business-Account verfügt über die Einsicht in die demographischen Daten der Zielgruppe sowie die verschiedenen Reichweiten und Impressions von Beiträgen. Diese haben jedoch keinerlei Einfluss auf die Reichweiten von Accounts oder Beiträgen.

Fazit

Wenn wir im Alltag von Mythen sprechen, meinen wir oftmals etwas Übertriebenes, Erfundenes oder gar Falsches. Sie erzählen rätselhafte oder besondere Geschehen, welche wir mit einem plausiblen Kontext in Verbindung bringen. Auf diesem Wege entstehen regelmäßig sogenannte Social Media Mythen. Abzuwägen, welche Gerüchte wahr und und welche rein erfunden sind, ist hin und wieder gar nicht so einfach. Es hilft jedoch auf den Publisher zu achten, die Quellen zu hinterfragen und sich nicht nur von den neusten Schlagzeilen beeinflussen zu lassen. Gerade in der heutigen Flut an Informationen kommt man nicht mehr drum herum, einen zweiten, genaueren Blick auf die Aussagen zu werfen.

Quellen

Online Marketing Rockstars, Instagram Pods: So tricksen Influencer den Instagram Algorithmus aus und erhöhen ihre Reichweite, 23.03.2017
Online Marketing, Instagram Shadow Banning: Wenn dein Engagement plötzlich einbricht, 25.04.2017