Vertäumte Gärten, selbstgebrannte Töpferware, berühmte Celebrities. Wer seine Netzfunde sortiert und ansprechend hergerichtet speichern will, der arrangiert sie heute auf Pinterest. Die Fotocommunity grenzt sich in ihrer Bedienung und ihrem Nutzen von anderen sozialen Netzwerken ab, muss sich vor der Konkurrenz aber keineswegs verstecken: Mit mehr als 200 Millionen aktiven Nutzern weltweit (Stand 2017) kann sich das Online-Pinboard zwischen Facebook, Instagram und YouTube einreihen und aufgrund seiner Beschaffenheit von diesen differenzieren. Was macht den Reiz der virtuellen Pinnwand aus und welche Möglichkeiten bietet sie für Influencer und Vermarktung?

Kein Board unter vielen

Pinterest (eine Wortneuschöpfung aus dem englischen to pin ‚anheften‘ und interest ‚Interesse‘) stellt allein Bilder und Videos in den Fokus. Diese können direkt von anderen Websites an das persönliche virtuelle Board gepinnt werden, um sie so zu sammeln und in einer neuen, eigenen Ästhetik zu verbinden. Kommentarfunktionen und weiteren Verlinkungen wird eine geringere Priorität als in anderen Social Networks zuteil, wodurch sich Pinterest erfrischend anders liest. Der in den verschiedenen Pinboards zusammengestellte Content spricht so hauptsächlich für sich selbst und entfaltet seinen Ausdruck im Arrangement – wie eine Collage aus Bookmarks, die die Interessen der verschiedenen Nutzer wiedergibt. Relevante Inhalte anderer User können dabei erneut gepinnt und somit der eigenen Sammlung hinzugefügt werden. Auf diese Weise verbreitet sich der Content auf Pinterest stets in themenorientierter Fasson, einzelne Boards erhalten dadurch eine ähnliche Funktionalität wie beispielsweise Hashtags auf Instagram und ermöglichen eine Orientierung der Nutzer durch das Netzwerk.

Ein weiterer Unterschied zu anderen bildbasierten Communities findet sich im Handling des Inhalts. Während User ihren Content bei Instagram oder Facebook standardgemäß als Datei in das Netzwerk hochladen, bedient sich Pinterest hauptsächlich der Verlinkung. Die Inhalte eines Boards erfüllen primär den Zweck einer Vorschau und leiten den Nutzer immer auch auf eine externe Seite zum ursprünglichen Content weiter. Pinterest versteht sich daher als Werkzeug zum Sammeln und Organisieren von Bildmaterial, als ein persönliches Tool oder als Suchmaschine.

Rückbesinnung auf das Wesentliche: Content

Pinterest legt den Fokus des Netzwerks auf seine Inhalte. Dies bedeutet, dass im Vergleich zu anderen sozialen Netzwerken der persönliche Auftritt einzelner User an Bedeutung verliert. Dieser steht etwa bei Plattformen wie TikTok stark im Vordergrund. Gerade für Unternehmen eröffnet sich so eine Plattform, die trotz intersozialer Funktionen des sharings und creatings eine Möglichkeit bietet, gezielt Inhalte und Produkte in das Zentrum der Aufmerksamkeit zu rücken. Darüber hinaus bietet Pinterest durch das stete Verlinken des Contents zu dessen Quelle Firmen die Möglichkeit, Traffic auch auf die eigenen Websites umzuleiten.

Generell heben sich die auf Pinterest angepinnten Beiträge und Sammlungen angenehm vom eher homogenen Themengehalt anderer Social Networks ab. Es lässt sich eine Präferenz für handwerkliche sowie ästhetisch ansprechende Postings ausmachen – food, lifestyle, interor und landscapes bestimmen das Erscheinungsbild der Boards, während das auf anderen Plattformen sonst dominierende Bild aus memes, influencern oder news in den Hintergrund rückt. Diese Erscheinungsform lässt sich vor allem auf die Anfänge von Pinterest zurückführen. Als virtuelles Sammelsorium für DIY-Produkte, Kochtrends oder Refurbishments bot Pinterest all denen eine Plattform, die ihre selbstgemachten Produkte präsentieren oder auch verkaufen wollten. Ein Kerngedanke, der sich bis heute gehalten und die Auswahl an Inhalten maßgeblich geprägt hat.

Meine Daten, Deine Daten – Rechtsprobleme auf Pinterest

Eines der Kernprobleme des Netzwerks Pinterest ist das der Urheber- und Bildrechte. Durch kontinuierliches Verlinken werden auch stetig Kopien von originalen Inhalten zu Vorschauzwecken generiert und somit an anderer Stelle im Internet zugänglich, als auf der Seite des Urhebers. Auch behielt sich die Plattform eine Zeit lang das Recht vor, Nutzerfotos zu verkaufen – was enorme Kritik seitens der User nach sich zog. Intransparenter Umgang mit Affiliate-Links bei Verlinkungen über Pinterest ist zudem heute noch eine Herausforderung für die Betreiber der Seite. Ausbleibende Anfragen zur Einwilligung und unrechtmäßige Vervielfältigung von Inhalten sind die Folgen des Prinzips Pinterest.

Trotz dieser Probleme hat sich Pinterest seit seiner Einführung 2010 mittlerweile fest im Markt etabliert. Seine einzigartige Beschaffenheit im weiten Feld der Social Networks und Fotocommunities lässt es aus der Masse hervortreten und nicht nur für User, sondern auch für Unternehmen an Relevanz gewinnen. Dabei bietet auch Pinterest trotz oder gerade wegen seiner differierenden Inhalte spannende Möglichkeiten für Unternehmen, eng mit Influencern zusammen zu arbeiten und Produkte sowie Marken über die Plattform zu kommunizieren und zu stärken.

 

Quellen:
„Pinterest-Anleitung: Begriffe, Funktionen, Fragen und Antworten“, seokratie.de, 22.08.2018
„Pinterest – Ein soziales Netzwerk aus schönen Bildern“, zeit.de, 22.08.2018